ORTHEGROH Unternehmerschule
Portrait

Unternehmertum braucht Vorbereitung und Mut

04.02.2026
Interview mit Patrizia Patzke

Patrizia Patzke, Vorständin der ORTHEGROH eG, erklärt im Interview, wie aus der Idee einer gemeinsamen Lernplattform eine erfolgreiche Unternehmerschule im Hilfsmittelmarkt wurde.

Die ORTHEGROH eG bündelt als starke Gemeinschaft im Hilfsmittelmarkt die Kräfte ihrer Mitgliedsbetriebe – Sanitätshäuser, orthopädietechnische Werkstätten und Orthopädieschuhtechniker. Neben Rahmenverträgen, Einkaufsvorteilen und fachlicher Unterstützung hat die Genossenschaft 2019 ein besonderes Konzept ins Leben gerufen: die ORTHEGROH-Unternehmerschule. Sie verbindet Theorie und Praxis und begleitet Nachwuchsunternehmer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Im Gespräch mit Vorständin Patrizia Patzke wird deutlich, wie hier gezielt die nächste Unternehmergeneration aufgebaut wird.

Idee zur ORTHE- GROH-Unternehmerschule

Frau Patzke, wie ist die Idee zur ORTHE-GROH-Unternehmerschule entstanden?

Die Geschichte beginnt eigentlich mit einer Sorge und einer Vision. Viele unserer Mitgliedsbetriebe stehen vor der Frage: Wer führt mein Unternehmen in Zukunft? Der Hilfsmittelmarkt ist komplex, hier reicht fachliches Können allein nicht aus. Unternehmer sein heißt, strategisch zu denken, zu führen und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wollten wir Menschen auf dem Weg ins Unternehmertum Mut machen: Selbstständigkeit kann erfüllend, erfolgreich und nachhaltig sein. Aus diesem Gedanken entstand 2019 die ORTHEGROH-Unternehmerschule.

Was macht Ihre Unternehmerschule besonders?

Unser Konzept verzahnt Theorie und Praxis. In 18 Monaten durchlaufen die Teilnehmenden 14 Seminartage in sechs Modulen – von Marktstrategie über Führung und Recht bis zum Businessplan. Hinzu kommen Gesprächskreise mit erfolgreichen Unternehmern. Viele Alumni vernetzen sich nach dem Abschluss in ERFA-Gruppen treffen sich beim jährlichen Unternehmerschul-Treffen. Das ist ein lebendiges Netzwerk, das trägt.

Wer findet den Weg zu Ihnen?

Unsere Teilnehmenden sind Junioren aus Familienbetrieben, Meister mit Gründungsplänen oder Fachkräfte, die den nächsten Schritt gehen wollen. Wichtig ist die Haltung: Wer unternehmerisch denkt, ist willkommen. Übrigens steht die Unternehmerschule auch Interessierten aus anderen Verbundgruppen im Hilfsmittelmarkt offen.

Gibt es besondere Erfolge?

Davon gibt es viele. Einige Absolventen haben Betriebe übernommen und erfolgreich weiterentwickelt, manche verantworten heute mehrere Standorte. Ein Teilnehmer modernisierte das elterliche Unternehmen mit neuem Geschäftsmodell und digitalen Strukturen, eine andere gründete mit ihrem Businessplan direkt nach dem Abschluss. Solche Geschichten zeigen: Es geht nicht nur um Wissen, sondern auch um Selbstvertrauen und das richtige Netzwerk.

Wie hat sich die Unternehmerschule entwickelt?

Wir sind mit einer kleinen Gruppe gestartet, inzwischen haben fünf Staffeln erfolgreich abgeschlossen. Im Juni 2026 beginnt die sechste. Besonders freut uns, dass daraus eine echte Gemeinschaft gewachsen ist. Beim jährlichen Alumni-Treffen tauschen sich Absolventen und erfahrene Unternehmer aus – dieser Dialog ist unglaublich wertvoll.

Was ist die übergeordnete Vision?

Wir wollen die Zukunftsfähigkeit unserer Branche sichern. Der Hilfsmittelmarkt braucht kreative, mutige und gut vorbereitete Unternehmer. Mit der Unternehmerschule investieren wir gezielt in diese nächste Generation. Für uns als Genossenschaft ist das mehr als ein Projekt – es ist ein Beitrag zur Stärke unserer Mitgliedsbetriebe und der gesamten Branche.

Und wohin geht die Reise in den nächsten Jahren?

Themen wie Digitalisierung, neue Versorgungsformen oder Nachhaltigkeit stehen künftig noch stärker im Fokus. Unser Ziel ist, dass die Unternehmerschule auch in zehn Jahren ein fester Begriff ist – und vielleicht sogar als Vorbild für andere Branchen gilt.

Ihr persönliches Fazit?

Mich begeistert, wie viel Energie in dieser nächsten Unternehmergeneration steckt. Wenn wir sie richtig begleiten, gewinnen nicht nur die Unternehmen, sondern die ganze Branche. Für mich ist die Unternehmerschule deshalb mehr als ein Ausbildungsprogramm – sie ist eine Erfolgsgeschichte, die wir gemeinsam weiterschreiben.

ORTHEGROH eG

Sie ist Einkaufs- und Dienstleistungsgenossenschaft für Sanitätshäuser, orthopädietechnische Werkstätten und Orthopädieschuhtechniker. Die Genossenschaft hat ein Umsatzvolumen von rund 300 Mio. Euro und entstand 2024 aus dem Zusammenschluss der EGROH eG sowie der ORTHEG eG. An den Standorten Laupheim und Homberg/Ohm vereint sie heute rund 1.500 Mitgliedsbetriebe.

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