Durch Corporate Benefits Mitarbeiter halten und gewinnen, Weingärtner Cleebronn-Güglingen eG
Portrait

Mitarbeiter als Markenbotschafter

04.12.2025
Tamara Elbl und Hagen Gärttner

Mit gezielten Corporate Benefits stärkt die Weingärtner Cleebronn-Güglingen eG die Bindung und Motivation. Zulagen und kleine Extras schaffen Identifikation – und machen Mitarbeiter zu Botschaftern der Marke.

Die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind groß, auch – oder gerade – in ländlichen Genossenschaften. Im Gespräch mit Hagen Gärttner, Weingärtner Cleebronn-Güglingen eG, wird klar: Wer hier Fachkräfte gewinnen und halten möchte, muss als Arbeitgeber mehr bieten als das sprichwörtliche „sichere Dach über dem Kopf“, insbesondere, wenn es darum geht, die jüngere Arbeitnehmer-Generation abzuholen. Gärttner weiß, wovon er spricht: „Nach über 20 Jahren in der Branche kann ich sagen – Genossenschaften sind attraktive Arbeitgeber, aber wir alle müssen dieses Bild noch viel aktiver nach außen tragen und uns in unserer Kommunikation auf den Mehrwert von Genossenschaften fokussieren“, so der erfahrene Verwaltungschef.

Recruiting vs. Bindung von Mitarbeitern

Besonders in den Bereichen Technik und Versand sei die Situation oft angespannt. „Im Durchschnitt haben wir maximal acht bis zwölf Bewerbungen für Stellen im technischen Bereich, wovon gerade mal die Hälfte der Bewerber den Anforderungen der im Betrieb anfallenden Aufgaben gewachsen ist.“ Das Anforderungsprofil in den Betrieben hat sich spürbar erweitert. Gefordert sind heute mehr Flexibilität bei den Aufgaben und Arbeitszeiten – zum Beispiel während der Lese – sowie ein sicherer Umgang mit zusätzlichen und oft komplexeren Prozessen wie Zertifizierungen. Vor diesem Hintergrund rücken Themen wie die Bindung der Mitarbeiter, ihre Motivation und ihre Zufriedenheit immer stärker in den Mittelpunkt. Folgende Treiber im Wettbewerb um Mitarbeiter lassen sich identifizieren: Fachkräftemangel gerade im technischen Bereich, hohe Fluktuation und steigende Erwartungen der Mitarbeiter. Neben dem Gehalt zählen Work-Life-Balance, Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten.

Corporate Benefits

Ein Schlüssel zum Erfolg sind für Gärttner gezielte Mitarbeitervorteile – sogenannte Corporate Benefits. Sie tragen ganz gezielt dazu bei, das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren und zudem den Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. „Das Konzept ist sehr einfach“, so Gärttner. Die Genossenschaft bezahlt jedem Mitarbeiter nach Beendigung der Probezeit eine extra Zulage. Nimmt der Mitarbeiter am Benefits-Programm teil, erhält er eine weitere Zulage. Benefits dienen laut Gärttner aber nicht nur dem monetären Vorteil. „Wer für uns arbeitet, wird automatisch Markenbotschafter“, erklärt er. „Die gebrandete Karte, aber auch kleine Aktionen wie der Werbeaufkleber auf den Privat-Pkw, stiften Identifikation. Das Wir-Gefühl ist unser größtes Kapital – und das können wir über solche Angebote zusätzlich stärken.“

Altersvorsorge mit Wahlmöglichkeiten

Auch das Thema der betrieblichen Altersvorsorge wird kreativ gedacht. Hier können die Mitarbeiter innerhalb eines attraktiven Rentenkonzepts, das sich der Begrifflichkeit nach an den Qualitätsstufen von Wein orientiert, wählen. „Schorle“, „Riesling“ oder „Premium“ - jeder entscheidet selbst, ob und wie viel er aus seinem Netto-Plus-Konzept investiert.

Was kommt bei den Mitarbeitern an?

Im Alltag zeigt sich, dass vor allem leicht verständliche, flexibel kombinierbare Zusatzleistungen ankommen. „Wir achten darauf, die Angebote übersichtlich zu halten. Zudem soll es keine Unterschiede machen, ob jemand im Außendienst oder in der Verwaltung arbeitet“, betont Gärttner. Ein wichtiger Aspekt ist auch: Nicht jeder Bene-fit zeigt seine Wirkung sofort. „Manche Vorteile, wie die betriebliche Altersvorsorge, entfalten ihre volle Wirkung erst später. Mitarbeiter müssen immer wieder an diese Themen erinnert werden“, erklärt Gärttner aus Erfahrung. „Altersvorsorge lohnt sich zu 100 Prozent – aber eben langfristig. Entgeltoptimierung hingegen, etwa über Sachbezüge, spüren die Beschäftigten sofort.“ Dass der Arbeitgeber davon letztlich wenig direkten Vorteil hat – sei es bei Entgeltoptimierung oder Altersvorsorge – ist für ihn zweitrangig: „Unser Ziel ist, dass die Mitarbeitenden profitieren. Wenn das Unternehmen aber dadurch Fachkräfte bindet, ist allen geholfen.“

Feedback aus dem Team

„Sehr positiv – sobald die Mitarbeitenden merken, dass es sich nicht bloß um Ankündigungen handelt, sondern um echte Mehrwerte. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist auch die Kommunikation. Verständlich und nah an den Mitarbeitern.“

Erfolgreicher Einstieg

Für die operative Umsetzung setzt die Genossenschaft auf externe Partner, die individuell beraten, Prozesse abwickeln und rechtliche Sicherheit gewährleisten. Anderen rät er: „Professionellen Rat einholen ist der erste Schritt.“ Besonders wichtig sei, die Tarifverträge zu prüfen und zu schauen, welche Benefits flexibel eingesetzt werden können. „Man muss das Rad nicht neu erfinden – aber die Lösung muss wirklich zur eigenen Betriebskultur passen und darf am Ende nicht zu lästiger Bürokratie führen.“

Corporate Benefits als entscheidender Vorteil

Hagen Gärttners Erfahrung zeigt: Flexible Zusatzleistungen sind ein echter „Gamechanger“, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu binden. Corporate Benefits sind nicht nur materielle Vorteile, sondern unterstützen die Unternehmenskultur in der Genossenschaft. Gemeinschaft, Zusammenhalt und ein starkes Miteinander sind hier die zentralen Werte, die auch die Identifikation mit dem Arbeitgeber stärken. Maßgeschneiderte Angebote steigern die Zufriedenheit und Loyalität der Mitarbeitenden. Insbesondere jüngere Fachkräfte schätzen moderne Zusatzleistungen und erwarten nicht nur finanziell, sondern auch persönlich unterstützt zu werden. Die Arbeit in einer Genossenschaft lohnt sich. Die Mitarbeiter erleben echte Mitbestimmung und profitieren von einer Arbeitgebermarke, die von Solidarität, Weiterentwicklung und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.

Weingärtner Cleebronn-Güglingen eG