Pressemitteilung

Zukunftsforum 2026

09.02.2026
Marcus Gernsbeck

Einen Monat vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg kamen Genossenschaftsvertreter, Landtagsabgeordnete und Spitzenkandidaten im Rahmen des Zukunftsforums 2026 zusammen. Sie diskutierten über die Forderungen des BWGV an die Politik in einer prominent besetzten Podiumsdiskussion, tauschten sich auf einem Markt der Möglichkeiten aus und ordneten die Landtagswahl fachlich ein.

Genossenschaften bräuchten faire politische Rahmenbedingungen und verlässliche Unterstützung durch die künftige Landesregierung. Insbesondere eine praxisnahe Regulierung, verlässliche Förderstrukturen und mehr Planungssicherheit durch eine Verbindlichkeit bei Entscheidungen forderte Theileis ein: „Wir brauchen einen Staat, der Kooperation ermöglicht, statt erschwert.“ Darüber hinaus appellierte der BWGV-Präsident: „Es muss Schluss sein mit überbordender Bürokratie und zahllosen Berichtspflichten. Mit einer Politik des Misstrauens kann die Wirtschaft nicht in Fahrt kommen."

Die 740 genossenschaftlichen Unternehmen unter dem Dach des BWGV sind in rund 50 Branchen tätig. Sie prägen zentrale Bereiche der Wirtschaft und der Daseinsvorsorge im Südwesten. Theileis: „Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind elementar für die Finanzierung des baden-württembergischen Mittelstands. Und ohne unsere landwirtschaftlichen Genossenschaften blieben die Supermarktregale leer.“ Darüber hinaus hob Theileis den hohen Stellenwert von Genossenschaft für die Bereiche Energieversorgung, Künstliche Intelligenz, Stärkung ländliche Räume und medizinische Nahversorgung hervor: „Ohne Genossenschaften würden viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen im Land schlichtweg nicht funktionieren. Gerade in Zeiten tiefgreifender Umbrüche sind sie unverzichtbar, wenn es darum geht, Zukunft zu gestalten.“

Baden-Württemberg stehe vor gleich mehreren Zeitenwenden: geopolitisch, wirtschaftlich, technologisch und gesellschaftlich. „Steigende Energiepreise, Fachkräftemangel, Bürokratiebelastung, Digitalisierung, Klimaschutz und demografischer Wandel treffen Unternehmen häufig gleichzeitig. In dieser Situation wird Resilienz zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor – und genau hier liegt die besondere Stärke genossenschaftlicher Modelle“, stellte der BWGV-Präsident heraus. Genossenschaften seien darauf ausgelegt, Kooperation zu organisieren: Sie bündeln Kräfte, teilen Risiken und ermöglichen gemeinsame Investitionen, ohne dass Betriebe ihre Eigenständigkeit aufgeben müssen.

Für Theileis verkörpern Genossenschaften den Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft: „Sie sind demokratisch organisiert, leben von Mitbestimmung, Verantwortung und Vielfalt. Wirtschaftliche Stärke braucht Zusammenarbeit. Resilienz entsteht durch Vertrauen. Demokratie lebt vom Dialog.“ Er fasst zusammen: „Genossenschaften stärken heißt das Land stärken.“

Konkret hat der BWGV seine Erwartungen an die Landespolitik in den GENO TOP 5 zusammengefasst. Die fünf zentralen Forderungen lauten:

  1. Genossenschaften in Bildung sichtbar machen
    Genossenschaftliches Wirtschaften soll stärker in Lehrplänen verankert werden, um ökonomische Bildung, Mitbestimmung und gemeinschaftliches Handeln frühzeitig zu vermitteln.

  2. Das dreigliedrige Bankensystem schützen
    Volksbanken und Raiffeisenbanken müssen als tragende Säule der Finanzierung für Mittelstand, Transformation und Innovation dauerhaft gesichert werden.

  3. Die Landwirtschaft gemeinsam weiterentwickeln
    Die Ergebnisse des Strategiedialogs Landwirtschaft in Baden-Württemberg müssen aufgegriffen und genossenschaftliche Lösungen gezielt gefördert werden.

  4. Bürgerwärme gezielt unterstützen
    Für kleinere Wärmeversorger braucht es passgenaue Förderprogramme, um die Energiewende lokal, effizient und bürgernah voranzubringen.

  5. Genossenschaftliche Medizinische Versorgungszentren (MVZ) fördern
    Der Ausbau genossenschaftlicher MVZ ist entscheidend für eine wohnortnahe, verlässliche Gesundheitsversorgung – insbesondere im ländlichen Raum.

Wie sich die Parteien hierzu positionieren, wurde bei einer journalistisch moderierten Podiumsdiskussion erörtert. Die erfahrene Journalistin Dr. Ursula Weidenfeld sprach mit der Spitzenkandidatin und den Spitzenkandidaten aller Parteien, die realistische Chancen auf den Einzug in den neuen Landtag haben. Darüber hinaus diskutierten mehr als 300 Vertreterinnen und Vertreter von Genossenschaften aus ganz Baden-Württemberg auf dem „Markt der Möglichkeiten“ mit zahlreichen Abgeordneten zu den Schwerpunktthemen Energie, Finanzen und Mittelstand, Gesundheit, kooperative Wirtschaft sowie Landwirtschaft. Einen Impulsvortrag zur Landtagswahl gab Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

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