Pressemitteilung

Starkes Kundengeschäft

17.03.2026
Marcus Gernsbeck

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg legen bei Krediten und Einlagen deutlich zu. Gleichzeitig bauten die Banken ihr Eigenkapital aus, sehen aber weiterhin Herausforderungen durch schwache Konjunktur, geringe Investitionen und zu wenig Wohnungsneubau.

Die 115 Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg haben in einem konjunkturell schwierigen Umfeld ein starkes Jahresergebnis erwirtschaftet und schauen auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025. Das Kundengeschäft hat trotz anhaltender wirtschaftlicher Stagnation und globaler Krisen deutlich Fahrt aufgenommen. Die Kredit- und Einlagenbestände sind signifikant gestiegen: Die Kredite wuchsen um 5,1 Prozent auf 147,0 Milliarden Euro. Die Einlagen legten um 4,0 Prozent auf 169,3 Milliarden Euro zu. Die addierte Bilanzsumme erhöhte sich um 3,7 Prozent auf 221,5 Milliarden Euro. Im Zuge dieser positiven Entwicklung des Kundengeschäfts konnten die Genossenschaftsbanken im Südwesten auch ihre Erträge steigern: Der Zinsüberschuss kletterte um 8,8 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss erhöhte sich um 2,6 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Betriebsergebnis vor Bewertung) stieg auf 1,9 Milliarden Euro – ein Plus von 11,9 Prozent. Der Jahresüberschuss nach Steuern erhöhte sich auf 590 Millionen Euro.

„Die Zahlen unterstreichen eindrucksvoll: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen für Verlässlichkeit und Stabilität in einer unruhigen Zeit. Sie übernehmen Verantwortung in ihren Regionen und leben auch im digitalen Zeitalter Kundennähe“, betont Dr. Ulrich Theileis, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV). Er fasst das Geschäftsjahr 2025 zusammen: „Die Genossenschaftsbanken sind unverzichtbarer Finanzierungspartner des baden-württembergischen Mittelstands, und sie ermöglichen Vielen den Traum von den eigenen vier Wänden. Die Zuwächse bei den Einlagen sind Ausdruck der hohen Reputation unserer Banken. Sie sind Vertrauensanker mit attraktiven Angeboten.“

Mit Blick auf die positive wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaftsbanken sagt Theileis: „Unsere Volksbanken und Raiffeisenbanken nutzen die gute Ertragslage zur weiteren Stärkung der wichtigen Eigenkapitalbasis. Das macht sie resilient und ermöglicht ihnen, weiterhin Mittelstand, Kommunen und Infrastruktur zu finanzieren. Sie ermöglichen Transformation und sichern Arbeitsplätze und Wohlstand. Der Erfolg unserer Banken hat keinen Selbstzweck.“

Kreditbestände erhöhen sich um 5,1 Prozent auf 147 Milliarden Euro

Erfreulich angezogen hat das Kreditgeschäft. Die Kreditbestände legten um 7,2 Milliarden Euro auf 147 Milliarden Euro zu – ein Plus von 5,1 Prozent. Auf Privatkundenseite wuchsen die Kredite um 6,1 Prozent oder 4,9 Milliarden Euro auf 85,1 Milliarden Euro. Haupttreiber waren die privaten Wohnimmobilienkredite. Deren Volumen stieg um 6,6 Prozent und beläuft sich auf 79,7 Milliarden Euro. Theileis: „Das im vergangenen Jahr relativ konstante Zinsniveau sowie eine moderate Entwicklung der Immobilienpreise haben die Nachfrage nach Wohneigentum gesteigert. Außerdem registrieren wir einen großen Bedarf an Sanierungen.“

Weiterhin mit Sorge sieht der BWGV-Präsident den verhaltenen Wohnungsneubau – vor allem bei größeren Bauträgerprojekten. „Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Es fehlt nach wie vor an bezahlbarem Wohnraum. Die Banken stehen zur Finanzierung bereit, doch die politischen Rahmenbedingungen bremsen die Investitionsbereitschaft. Die neue Landesregierung muss dies als dringenden Auftrag betrachten.“

Auch das Kreditvolumen im gewerblichen Umfeld hat sich deutlich erhöht: Die Kredite der baden-württembergischen Genossenschaftsbanken an Unternehmen und Selbstständige sind um 3,4 Prozent oder 1,95 Milliarden Euro auf nunmehr 58,5 Milliarden Euro angewachsen. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor sind die Unternehmenskredite lediglich um 1,1 Milliarden Euro beziehungsweise 634 Millionen Euro gestiegen. Auch wenn dies gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Steigerung ist, sei Baden-Württemberg von einem wirtschaftlichen Aufschwung noch weit entfernt, sagt Theileis: „Der Mittelstand hält sich mit Investitionen nach wie vor stark zurück, und wenn investiert wird, handelt es sich häufig um Ersatz- und nicht Wachstumsinvestitionen. Die konjunkturellen Impulse fehlen. Das ist keine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg.“

Einlagenwachstum von 4 Prozent: Kunden setzen auf Sicherheit und Verfügbarkeit

Auf der Einlagenseite steht bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken ein deutliches Plus von 4,0 Prozent. Die bilanziellen Kundeneinlagen stiegen um 6,5 Milliarden Euro auf 169,3 Milliarden Euro. Auffällig ist, dass die Kundinnen und Kunden ihr Geld vor allem auf Giro- und Tagesgeldkonten deponierten: Die täglich fälligen Einlagen haben um 6,6 Prozent oder 6,6 Milliarden Euro auf nunmehr 106,6 Milliarden Euro zugenommen. Außerdem haben die Kunden erneut auch in klassische Fest- und Termingelder investiert – wenn auch mit einer deutlich abnehmenden Dynamik: Nachdem die Termineinlagen im Jahr 2024 um 25 Prozent angestiegen waren, legten sie 2025 um 1,2 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro zu. Das außerbilanzielle Kundenanlagevolumen hat sich um 4,2 Prozent oder 5,5 Milliarden Euro auf 135,3 Milliarden Euro verbessert. Dies liegt insbesondere an gestiegenen Aktienkursen und damit verbundenen Steigerungen in den Wertpapierdepots der Kunden.

„Bei der Geldanlage stehen Sicherheit und Verfügbarkeit an erster Stelle bei den Kundinnen und Kunden. Die erfreulichen Zuwächse sind Ausdruck des großen Vertrauens der Menschen in ihre Volksbank oder Raiffeisenbank, die mit attraktiven Spar- und Anlagemöglichkeiten überzeugen“, macht Theileis deutlich. Er weist darauf hin, beim Vermögensaufbau und der Altersvorsorge auch renditestärkere Anlageformen nicht außer Acht zu lassen. Daher begrüßt der BWGV-Präsident die Pläne der Bundesregierung zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge. Insbesondere die Einführung eines Altersvorsorgedepots bewertet er positiv: „Wertpapiersparpläne in die geförderte Altersvorsorge aufzunehmen, ist richtig und wichtig. Damit können die Menschen von den langfristigen Renditechancen der Kapitalmärkte besser profitieren. Gerade über einen langen Zeithorizont wie beim Vermögensaufbau und der privaten Vorsorge für den Ruhestand sind Wertpapiere – trotz kurzfristiger Volatilitäten – ein wichtiger Baustein.“

Gutes Ergebnis: Jahresüberschuss von 590 Millionen

Auf der Ertragsseite steht ein Zinsüberschuss von 3,5 Milliarden Euro (plus 8,8 Prozent) und ein Provisionsüberschuss von knapp 1,4 Milliarden Euro (plus 2,6 Prozent). Das Betriebsergebnis vor Bewertung entwickelte sich mit einer Steigerung von 11,9 Prozent äußerst erfreulich und beträgt im Berichtsjahr 1,88 Milliarden Euro, während sich der Bewertungsaufwand bei 410 Millionen Euro bewegte. Nach Steuern steht ein Jahresüberschuss in Höhe von 590 Millionen Euro.

Banken stärken Eigenkapital kräftig um 1,35 Milliarden Euro

Das haftende Eigenkapital (Eigenmittel) erhöhte sich stark um 1,35 Milliarden Euro oder 6,4 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Das Kernkapital (Geschäftsguthaben der Mitglieder und Rücklagen) stieg um 1,24 Milliarden Euro auf 20,5 Milliarden Euro – ein Plus von 6,4 Prozent. Die Kernkapitalquote beträgt durchschnittlich 17,5 Prozent.

Die Zahl der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg hat sich im Jahr 2025 fusionsbedingt um sechs Institute auf 115 reduziert. Sie beschäftigen 20.600 Mitarbeitende, rund 2.100 Auszubildende und zählen rund 6,1 Millionen Kundinnen und Kunden. Mit 3,56 Millionen Mitgliedern ist mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Kunden auch Anteilseigner einer Volksbank oder Raiffeisenbank.

Theileis: Banken gut gerüstet, um ihren Teil zu wirtschaftlicher Stabilität beizutragen

Mit Blick auf die Regierungsbildung nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg mahnt Theileis zur Eile: „Die Koalitionsverhandlungen müssen zügig geführt werden. Baden-Württembergs Wirtschaft braucht eine starke Stimme, die sich für ihre Interessen national wie international einsetzt. Beide Koalitionspartner haben im Wahlkampf eine stärkere Fokussierung auf die Wirtschaftskraft als Basis unseres Wohlstands propagiert. Dem müssen sie nun Taten folgen lassen.“ Der BWGV-Präsident macht deutlich: „Unsere Genossenschaftsbanken stehen bereit und sind gut gerüstet, ihren Teil zur wirtschaftlichen Stabilität und einem perspektivischen Aufschwung beizutragen. Konkret fordert Theileis von der künftigen Landesregierung, das dreigliedrige Bankensystem unverändert gegen Zentralisierungsbestrebungen der EU zu schützen, damit die Volksbanken und Raiffeisenbanken als tragende Säule der Finanzierung für Mittelstand, Transformation und Innovation dauerhaft gesichert sind. Außerdem müsse sich die Landesregierung im Rahmen ihrer Möglichkeiten für eine Bankenregulierung mit Augenmaß einsetzen, die im gesunden Verhältnis zu Größe und Risikoprofil der Institute steht. „Letztendlich geht es darum, die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihren Job machen zu lassen.“

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