
MTV Stuttgart setzt starkes Zeichen
Der MTV Stuttgart wurde für seine neue Parasport-Akademie, die europaweit einzigartig Kinder und Jugendliche mit Behinderung leistungsorientiert und inklusiv fördert, mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet. Weitere Preise gingen an den TV Schuttertal und den TV Überlingen für ihre innovativen, generationenübergreifenden und inklusiven Sportprojekte.
Diese Talentförderung ist europaweit einzigartig: In der neuen Parasport-Akademie des Männerturnvereins (MTV) Stuttgart erhalten Kinder und Jugendliche mit Behinderung einen systematischen Zugang zum leistungsorientierten Sport – und trainieren dabei in einem inklusiven Umfeld mit Athletinnen und Athleten ohne Handicap. Hierfür wurde der Traditionsverein am Montagabend (17.11.2025) in Stuttgart von den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet. Als Landessieger vertritt der MTV nun Baden-Württemberg beim Wettbewerb auf Bundesebene um die Sterne des Sports in Gold. Zwei weitere Landespreise gingen an den Turnverein Schuttertal (Landkreis Emmendingen) sowie den Turnverein Überlingen (Bodenseekreis). Sie wurden mit einem „Kleinen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet. Die „Sterne des Sports“ sind die bedeutendste Auszeichnung für gesellschaftliches Engagement von Sportvereinen in Deutschland. Sie gelten als die Oscars des Breitensports und werden verliehen von den Volksbanken und Raiffeisenbanken gemeinsam mit dem deutschen Olympischen Sportbund und den Landessportbünden.
„Die Sportvereine in unserem Land sind weit mehr als Orte des Trainings und der Wettkämpfe – sie sind Herzstücke unserer Gesellschaft. Werte wie Zusammenhalt, Rücksichtnahme, Integration und das genossenschaftliche Prinzip ‚Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele‘ wird hier tagtäglich gelebt“, betonte Dr. Ulrich Theileis, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV). Im GENO-Haus in Stuttgart überreichte er die Preise gemeinsam mit Sandra Boser, Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, sowie Andreas Felchle, Vizepräsident des Landessportverbands Baden-Württemberg. Theileis machte deutlich: „Mit den Sternen des Sports würdigen wir das beeindruckende Engagement der unzähligen Ehrenamtlichen und rücken diejenigen Menschen ins Rampenlicht, die weit über den eigenen Verein hinaus positive Wirkung entfalten. Die diesjährigen Preisträger sind großartige Beispiele dafür, wie Sportvereine gesellschaftlich Verantwortung übernehmen. Sie verdienen unseren größten Respekt und unsere Anerkennung.“
„Großer Stern des Sports“ in Silber für Parasport-Akademie des MTV Stuttgart
Im Februar 2025 hat der MTV Stuttgart sein langjähriges Engagement im und für den Behindertensport auf ein neues Level gehoben: Der Verein eröffnete eine Parasport-Akademie, die gezielt Kinder und Jugendliche mit Behinderung in ihrer persönlichen und sportlichen Entwicklung fördert mit dem klaren Ziel, Talente frühzeitig zu entdecken und ihnen den Weg in den Spitzensport zu ebnen. Damit setzt der MTV Stuttgart neue Maßstäbe für gelebte Inklusion und sportliche Exzellenz.
Die Akademie richtet sich an junge Menschen mit motorischen Behinderungen, Kleinwuchs, Sehbehinderungen und Blindheit. Sie fördert gezielt in den Disziplinen Paraleichtathletik, Blindenfußball, Rollstuhlbasketball und Radsport. Für weitere Sportarten – etwa Blindentennis oder Paraschwimmen – arbeitet der MTV eng mit spezialisierten Partnervereinen zusammen, um Talente zur Förderung zu vermitteln.
Das Besondere: In der MTV-Akademie gibt es ein inklusives Trainingsumfeld, in dem Athletinnen und Athleten mit und ohne Behinderung gemeinsam trainieren. Auf diese Weise entsteht im Alltag eine neue Dimension gelebter Inklusion – Trainingsgruppen wachsen zusammen, lernen voneinander und werden zu einer Einheit. Bei der Talentfindung wählt der MTV den aktiven Weg: Er sucht aktiv in Schulen, Fördereinrichtungen und Vereinen.
Bereits seit fast zwei Jahrzehnten engagiert sich der MTV Stuttgart im Parasport. Was 2006 mit einer Blindenfußballmannschaft begann, hat sich stetig weiterentwickelt und wurde Schritt für Schritt professionalisiert. Mit Erfolg: Der MTV hat zahlreiche Erfolge vorzuweisen und beeindruckende Spitzensportlerinnen und -sportler hervorgebracht – darunter Para-Biathletin Anja Wicker, die nicht nur den Weltcup gewann, sondern auch Gold bei den Paralympischen Winterspielen.
Bei der Konzeption der Parasport-Akademie konnte der MTV Stuttgart dementsprechend auf langjährige Erfahrung und ein starkes Netzwerk bauen. So koordiniert der Verein seit 2022 das kommunale Netzwerk Inklusion mit über 90 Partnerorganisationen und verfügt auch über eine festangestellte Inklusionsmanagerin.
„Der MTV Stuttgart lebt auf einzigartige Weise Inklusion. Dabei versteht der Verein Inklusion nicht als Nische, sondern als zentrales Zukunftsthema des Sports,“ würdigt Theileis den Landespreisträger. „Der Verein zeigt mit seiner Akademie: Inklusion und Leistungssport gehören zusammen – sie sind auf Augenhöhe.“ Begleitende Bank des MTV Stuttgart ist die Volksbank Zuffenhausen. Der Verein erhält ein Preisgeld von 2.500 Euro.
TV Schuttertal verbindet Generationen mit Tanz und Lebensfreude
Beim prämierten Projekt des TV Schuttertal ist der Name Programm: „Generations Dance“ heißt das Angebot, das auf eindrucksvolle Weise zeigt, wie Sport Menschen jeden Alters in Bewegung bringen und Generationen miteinander verbinden kann. Dafür erhält der Turnverein den „Kleinen Stern des Sports“ in Silber.
Seit dem Frühsommer 2025 treffen sich beim TV Schuttertal wöchentlich, teilweise auch zweimal pro Woche, Kinder, Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren über 60 Jahren zu gemeinsamen Tanzstunden. Eine Stunde lang wird gemeinsam getanzt, gelacht, erzählt – und voneinander gelernt. Das Projekt richtet sich ausdrücklich an alle, unabhängig von Fitnessstand, Alter oder Tanzerfahrung. Im Mittelpunkt steht nicht der Leistungsgedanke, sondern die Freude an der Bewegung und am Miteinander.
Und dies wird immer wichtiger. Denn Bewegungsmangel betrifft heute viele Altersgruppen. „Generations Dance“ setzt hier ein starkes Zeichen: Bewegung tut allen gut – gemeinsam noch mehr! Für die Jüngeren ist das Tanzprojekt ein wertvoller Ausgleich zum schulischen Alltag mit viel Sitzen, für die Älteren eine wirksame Maßnahme zur Förderung der Mobilität, zur Sturzprophylaxe und zur Erhaltung der geistigen Fitness.
Die Tanzstunden folgen dabei einem klaren Aufbau: Nach einem gemeinsamen Warm-up mit leichten Bewegungselementen werden ein oder mehrere Choreografien eingeübt, ehe die Einheit mit einem Cooldown und Stretching endet. Dabei kommen Lieder aus unterschiedlichen Jahrzehnten und Stilrichtungen zum Einsatz – von Klassikern bis hin zu modernen Beats. So entsteht ein lebendiger Musikmix, der wirklich allen Generationen gerecht wird.
Ein besonderer Aspekt ist die aktive Mitgestaltung: Die Teilnehmenden bringen sich zunehmend selbst in die Gestaltung der Stunde ein und entwickeln auch eigene Choreografien. Dadurch entsteht zusätzlich ein intensiver Austausch zwischen Jung und Alt, der weit über das gemeinsame Tanzen hinausgeht. Es wird zugehört, Rücksicht genommen, Verantwortung.
Schon jetzt zeigt sich, dass das Angebot Menschen auf besondere Weise verbindet: Manche Kinder tanzen gemeinsam mit ihren Großeltern – eine schöne, familiäre Komponente, die das generationenübergreifende Konzept zusätzlich stärkt. Das Format soll künftig noch weiterentwickelt werden: Angedacht sind intergenerationale Angebote in den Bereichen Gymnastik, Wandern, Radfahren oder Yoga – oder auch ein „Tanzen für die ganze Familie“.
Theileis: „Der Verein zeigt eindrucksvoll, wie sich durch gemeinsames Engagement neue Wege für ein aktives, solidarisches und generationenübergreifendes Vereinsleben eröffnen lassen – und gleichzeitig die Gesundheit gefördert werden kann.“ Begleitende Bank des TV Schuttertal, der ein Preisgeld von 1.250 Euro erhält, ist die Volksbank Lahr.
TV Überlingen: Mit Herz und Teamgeist für echte Inklusion
Einen „Kleinen Stern des Sports“ in Silber erhält der TV Überlingen für sein außergewöhnliches Engagement im Bereich Inklusion und Gesundheitsförderung. Gemeinsam mit der Regionalgruppe „Herzkinder Bodensee“ des bundesweiten Vereins Kontaktgruppe herzkranke Kinder, KohKi, organisiert der TV seit 2022 regelmäßig Kinderherzsporttage – ein inklusives Bewegungs- und Bildungsangebot für Familien mit herzkranken Kindern.
Drei- bis viermal im Jahr verwandelt ein ehrenamtliches Team die Geräteturnhalle dafür in eine bunte Spiel- und Sportlandschaft. Unter der Anleitung der Kunstturnerinnen und Kunstturner des TV Überlingen spielen, balancieren und klettern Kinder mit und ohne Handicap gemeinsam. Vor allem die Kinder mit Herzfehler, Spenderherz, Schrittmacher oder Epilepsie erleben so auf eindrucksvolle Weise, dass Sport für alle möglich ist. Der niedrigschwellige Zugang macht Mut, eigene Grenzen auszutesten, fördert Ausdauer und Selbstvertrauen und schafft echte Begegnungen, in denen Unterschiede in den Hintergrund treten.
Parallel zum Sportprogramm gibt es beim Kinderherzsporttag Erste-Hilfe-Kurse für Eltern mit dem Schwerpunkt auf Reanimation, Lagerungstechniken oder Kinderkrankheiten. So gewinnen die Erwachsenen Handlungssicherheit für den Notfall – und die Gewissheit, ihre Kinder aktiv und mutig begleiten zu können. Dieser Mix aus Bewegung für die Kinder und Qualifizierung der Eltern macht das Format einzigartig.
Neben dem Sport und Wissenstransfer steht auch das Miteinander im Mittelpunkt: Gemeinsame Mittagessen, Bodensee-Ausflüge oder Tretboot-Touren stärken das Netzwerk und fördern den Austausch zwischen den Familien. So ist über die Jahre ein wachsendes Unterstützungsnetz entstanden, in dem Freundschaften und Vertrauen wachsen.
Rund 20 Kinder nehmen pro Termin teil – Tendenz steigend. Ziel ist es, bis 2025 fünf Herzsporttage und zwei gemeinsame Ausflüge im Jahr anzubieten. Das Modell soll zudem in weitere Vereine der Region getragen werden, denn das Konzept ist einfach übertragbar: Eine Turnhalle, engagierte Trainerinnen und Trainer sowie der Wille zur Inklusion genügen, um Kindern mit besonderen Voraussetzungen Flügel zu verleihen.
Theileis: „Mit dem Kinderherzsporttag überwindet der TV Überlingen eindrucksvoll die Grenzen zwischen Rehasport, Breitensport und Gesundheitsbildung – und zeigt, wie Miteinander statt Nebeneinander funktioniert.“ Begleitet wird der TV Überlingen, der ein Preisgeld von 1.250 Euro erhält, von der Volksbank Überlingen.
Zwei Förderpreise
Neben den Sternen des Sports wurden bei der feierlichen Preisverleihung noch zwei mit jeweils 500 Euro dotierte Förderpreise der GENO Energie vergeben. Der TuS Gutach wurde für sein Projekt „Schwimmen macht stark – sozial & sicher“ und der TSV Maulbronn für „Tanzen mit Rollator – Bewegung kennt kein Alter“ ausgezeichnet.
Eingebettet war die von Jens Zimmermann moderierte Preisverleihung in einen festlichen Dankeschön-Abend für die Vereine. Handballprofi Kai Häfner sprach über „Challenge accepted – mit Links“. Und eine beeindruckende Showeinlage kam von Oliver Widmann, Vizeweltmeister und mehrfacher Deutscher Meister im Bike Trial.

